Surfcamps auf Lanzarote
Wenn der Flieger im Anflug auf Arrecife die Wolkendecke durchbricht, bietet sich ein Anblick, der wenig mit dem klassischen Postkarten-Idyll tropischer Inseln gemein hat. Lanzarote ist eine Insel aus erstarrter Lava, gezeichnet von dunklen Kratern und schroffen Küstenlinien. Doch genau diese vulkanische Beschaffenheit bildet das Fundament für eines der beständigsten Wellenreviere Europas. Wer ein Surfcamp auf Lanzarote besucht, entscheidet sich für eine Umgebung, die in der Surfszene oft als das „Hawaii Europas“ bezeichnet wird – ein Vergleich, der angesichts der Kraft des Atlantiks und der Qualität der Riffe durchaus seine Berechtigung hat.
Die Insel bietet eine Dichte an erstklassigen Wellen, die auf dem europäischen Festland kaum zu finden ist. Während in Frankreich oder Portugal oft weite Fahrten zwischen den einzelnen Buchten nötig sind, liegen auf Lanzarote Weltklasse-Spots oft nur wenige Minuten voneinander entfernt. Das Angebot reicht von sanft auslaufenden Wellen für Anfänger bis hin zu hohl brechenden Reefbreaks für Experten. Ein Aufenthalt in einem professionell geführten Camp ermöglicht es, diese Vielfalt sicher und strukturiert zu erkunden, ohne sich den Gefahren der unberechenbaren Strömungen oder scharfen Lavafelsen allein aussetzen zu müssen.
Famara als Zentrum der Surfszene
Das Herz des Surfsports auf Lanzarote schlägt im Nordwesten, in dem kleinen Fischerdorf Caleta de Famara. Der Ort liegt am Fuße des imposanten Risco de Famara, einer massiven Steilwand, die fast 500 Meter senkrecht aus dem Meer aufragt. Diese Kulisse prägt das Lebensgefühl vor Ort. In den sandigen Gassen von Famara sieht man mehr Menschen mit Neoprenanzügen und Surfbrettern als in herkömmlicher Urlaubskleidung. Hier haben sich die meisten Schulen und Unterkünfte angesiedelt, da der angrenzende Strand, die Playa de Famara, ideale Bedingungen für alle Könnensstufen bietet.
Der Strand erstreckt sich über fast sechs Kilometer und fängt nahezu jeden verfügbaren Swell aus dem Nordatlantik ein. Für Einsteiger ist dieser Spot deshalb so wertvoll, weil er über einem sandigen Untergrund bricht, was das Verletzungsrisiko minimiert. In einem Surfcamp verbringen Anfänger hier meist ihre ersten Tage, um die Grundlagen des Paddelns und den Take-off in der Weißwasserwelle zu erlernen. Fortgeschrittene hingegen nutzen die Gezeiten, um bei Ebbe oder Flut die verschiedenen Sektionen der „Green Waves“ zu surfen, die je nach Sandbank mal steiler, mal flacher ausfallen.
Abseits des Wassers bietet Caleta de Famara eine Infrastruktur, die ganz auf die Bedürfnisse von Surfern zugeschnitten ist. Es gibt keine großen Hotelkomplexe, sondern überwiegend kleine Bungalows und Apartmenthäuser. Die Atmosphäre ist entspannt und funktional. Man trifft sich nach der Session in einer der wenigen Bars auf einen Cortado oder ein kühles Bier und bespricht die Bedingungen des Tages. Wer tiefere Einblicke in die lokale Geografie und die Beschaffenheit der Küste sucht, findet in unserer detaillierten Übersicht über die Surfspots auf Lanzarote weiterführende Informationen zu den Strömungsverhältnissen und Gezeitenfenstern.
Die Qualität der Wellen und Reviere

Lanzarote ist geografisch so exponiert, dass die Insel von drei Seiten Wellen empfangen kann. Das macht sie zu einem der verlässlichsten Ziele für Surfreisen weltweit. Während die Westküste mit Famara der Hauptanlaufpunkt für den Breitensport ist, finden sich an der Nord- und Ostküste Spots, die internationale Berühmtheit erlangt haben. Orte wie La Santa oder der legendäre Reefbreak „El Quemao“ ziehen Profis aus aller Welt an. El Quemao wird oft in einem Atemzug mit der Pipeline auf Hawaii genannt, da die Welle über einem flachen Lavariff bricht und massive, hohle Tunnel bildet.
Für Gäste in einem Surfcamp ist der Zugang zu diesen anspruchsvollen Wellen meist durch das Guiding der Trainer geregelt. Ein guter Coach weiß genau, bei welcher Windrichtung und welchem Schwell ein Spot funktioniert und – was noch wichtiger ist – wann er für die jeweilige Gruppe zu gefährlich wird. Die vulkanische Beschaffenheit der Insel bedeutet nämlich auch, dass viele Wellen über scharfkantigem Gestein brechen. Seeigel und starke Strömungen sind Faktoren, die man nicht unterschätzen darf. Ein lokaler Guide verkürzt die Lernkurve erheblich, indem er die Gruppe an die Spots führt, die dem jeweiligen Level entsprechen.
Im Vergleich zu anderen Inseln des Archipels bietet Lanzarote eine sehr kompakte Struktur. Wer Abwechslung sucht, kann innerhalb von 20 Minuten die Küstenseite wechseln und so fast immer windgeschützte Bedingungen finden. Diese Flexibilität ist ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Surfcamps auf den Kanaren, wo die Wege oft deutlich länger und die Spots schwieriger zu erreichen sind. Auf Lanzarote ist die Dichte an qualitativ hochwertigen Wellen pro Quadratkilometer schlichtweg höher.
Was ein modernes Surfcamp auszeichnet
Die Zeiten, in denen Surfcamps lediglich aus Stockbetten und einfachen Gemeinschaftsküchen bestanden, sind auf Lanzarote weitgehend vorbei. Die Szene hat sich professionalisiert. Heute definieren sich hochwertige Camps über die Qualität des Coachings und die Tiefe der theoretischen Ausbildung. Es geht nicht mehr nur darum, jemanden auf ein Brett zu stellen und in eine Welle zu schieben. Moderne Lehrmethoden beinhalten Videoanalysen, bei denen die Bewegungsabläufe Bild für Bild zerlegt werden, um Fehler in der Haltung oder der Gewichtsverteilung zu korrigieren.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vermittlung von Wissen über Ozeanographie. In einem seriösen Camp lernen die Teilnehmer, Wetterkarten zu lesen, Swell-Vorhersagen zu interpretieren und die Gefahren von Ripp-Strömungen zu erkennen. Dieses Wissen ist essenziell, um später auch eigenständig und sicher surfen zu können. Auch das Material spielt eine Rolle: Ein gutes Camp verfügt über eine breite Palette an Brettern – von großvolumigen Softboards für die ersten Versuche bis hin zu verschiedenen Hardboards für die ersten Versuche in der ungebrochenen Welle.
Die soziale Komponente bleibt dennoch ein Kernbestandteil. Das gemeinsame Erleben der Natur, das Teilen von Erfolgen und auch das kollektive Verarbeiten von Waschgängen schweißt die Gruppen zusammen. Viele Camps bieten zudem ergänzende Aktivitäten wie Yoga an, das speziell auf die beim Surfen beanspruchten Muskelgruppen (Rücken, Schultern, Hüfte) abgestimmt ist. Um das passende Angebot für die eigenen Bedürfnisse zu finden, empfiehlt es sich, unseren Camp-Finder zu nutzen, der die verschiedenen Spezialisierungen und Komfortstufen der Anbieter vergleichbar macht.
Die beste Reisezeit für Surfer

Lanzarote wird oft als die „Insel des ewigen Frühlings“ bezeichnet, was für Surfer eine ganzjährige Saison bedeutet. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede in den Bedingungen je nach Jahreszeit. Die Wintermonate von Oktober bis März gelten als die Prime-Time für erfahrene Surfer. In dieser Zeit schicken kräftige Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik konstante und kraftvolle Wellen in Richtung der Kanaren. Die Wassertemperatur sinkt selten unter 18 Grad, was mit einem guten 3/2mm oder 4/3mm Neoprenanzug problemlos zu bewältigen ist.
Für Anfänger und Intermediates sind hingegen die Frühlings- und Sommermonate ideal. Die Wellen sind in dieser Zeit meist kleiner und weniger wuchtig, was den Lernprozess im Weißwasser oder in kleinen grünen Wellen erleichtert. Ein Faktor, den man im Sommer jedoch berücksichtigen muss, ist der Passatwind. Dieser weht in den Monaten Juni, Juli und August oft sehr stark aus Nordost. Während dies für Wind- und Kitesurfer perfekt ist, kann es für Wellenreiter die Bedingungen an der Nordküste erschweren. In dieser Zeit weichen die Surfcamps oft auf die frühen Morgenstunden aus, bevor der thermische Wind an Fahrt gewinnt.
Der Herbst, insbesondere der September und Oktober, gilt unter Kennern als die vielleicht beste Zeit. Der Wind lässt nach, das Wasser ist durch den Sommer auf bis zu 23 Grad aufgeheizt und die ersten herbstlichen Swells bringen saubere, geordnete Wellen an die Küsten. Zudem ist die Insel in dieser Zeit weniger überlaufen als während der klassischen Ferienmonate, was die Atmosphäre im Wasser und in den Dörfern noch entspannter macht.
Leben und Kultur abseits des Wassers
Ein Aufenthalt in einem Surfcamp auf Lanzarote wäre unvollständig, ohne die einzigartige kulturelle und ökologische Identität der Insel zu würden. Lanzarote wurde maßgeblich durch das Wirken des Künstlers und Umweltschützers César Manrique geprägt. Sein Einfluss hat dazu geführt, dass die Insel vor dem Massentourismus der 70er und 80er Jahre weitgehend bewahrt wurde. Es gibt keine Hochhäuser, die die Sicht auf die Vulkane versperren, und die Architektur folgt einem strengen Farbcode aus Weiß, Grün und Blau.
An Tagen, an denen die Arme vom Paddeln schwer sind oder der Wind einmal zu stark weht, bietet das Hinterland faszinierende Ausflugsziele. Der Timanfaya Nationalpark mit seinen Feuerbergen zeigt die rohe, ungebändigte Kraft der Natur. Ebenso beeindruckend ist das Weinbaugebiet La Geria, wo die Reben in kleinen, mit Lavasteinen geschützten Mulden wachsen – eine weltweit einzigartige Form der Landwirtschaft.
Kulinarisch bietet die Insel eine ehrliche, kanarische Küche. In den kleinen Restaurants in Famara oder im nahegelegenen Teguise sollte man unbedingt die „Papas Arrugadas“ mit Mojo-Sauce probieren oder fangfrischen Fisch bestellen. Diese Erdung durch die lokale Kultur und die spektakuläre Landschaft sorgt dafür, dass ein Surfurlaub auf Lanzarote mehr ist als nur Sport; es ist ein Eintauchen in ein Ökosystem, das den Menschen Demut vor den Elementen lehrt.
Häufige Fragen zum Thema
FAQ
Ist Lanzarote für absolute Anfänger geeignet?
Ja, absolut. Trotz des Rufes als Revier für Profis bietet vor allem der Strand von Famara ideale Bedingungen für Einsteiger. Der sandige Untergrund und die langen Weißwasserwellen ermöglichen es Anfängern, die Grundlagen in einer sicheren Umgebung zu erlernen. Die meisten Surfcamps auf der Insel haben sich genau auf diese Zielgruppe spezialisiert und bieten Kurse an, die auf die ersten Schritte im Wasser zugeschnitten sind.
Welchen Neoprenanzug brauche ich auf Lanzarote?
Das hängt von der Jahreszeit ab. Im Sommer und frühen Herbst (September/Oktober) reicht oft ein 2mm Shorty oder ein dünner 3/2mm Fullsuit. Im Winter, wenn das Wasser auf etwa 18 Grad abkühlt und der Wind kühler wehen kann, ist ein 3/2mm oder sogar ein 4/3mm Fullsuit die richtige Wahl. Die meisten Camps stellen das Material im Rahmen der Kurse zur Verfügung, sodass man sich vorab nicht zwingend selbst ausstatten muss.
Brauche ich auf Lanzarote einen Mietwagen?
Wenn das Surfcamp direkt in Famara liegt und man dort auch den Großteil seiner Zeit verbringt, ist ein Mietwagen nicht zwingend notwendig, da alles fußläufig erreichbar ist. Möchte man jedoch die Insel erkunden, andere Spots wie La Santa besuchen oder die Sehenswürdigkeiten im Landesinneren sehen, ist ein Mietwagen sehr empfehlenswert. Die Preise für Mietautos sind auf den Kanaren vergleichsweise günstig und die Straßen gut ausgebaut.
Wie ist das Preisniveau für ein Surfcamp auf Lanzarote?
Lanzarote liegt preislich im Mittelfeld der europäischen Surfdestinationen. Ein Paket aus Unterkunft, Surfkurs und Materialmiete ist oft günstiger als vergleichbare Angebote in Frankreich, aber etwas teurer als in Marokko. Die Lebenshaltungskosten für Verpflegung und Gastronomie sind moderat, besonders wenn man die lokalen Angebote abseits der touristischen Zentren nutzt.
Gibt es Probleme mit Localism an den Spots?
An den Hauptspots für Anfänger und Fortgeschrittene, wie der Playa de Famara, gibt es praktisch keinen Localism. Hier herrscht eine sehr offene und internationale Atmosphäre. An den anspruchsvollen Reefbreaks wie El Quemao oder La Santa sieht das etwas anders aus. Dort ist die Hierarchie im Wasser strenger und Respekt gegenüber den einheimischen Surfern ist Grundvoraussetzung. Als Camp-Teilnehmer ist man unter der Anleitung eines Guides jedoch meist gut geschützt und wird an die passenden Stellen herangeführt.
Die Entscheidung für ein Surfcamp auf Lanzarote ist letztlich eine Entscheidung für Beständigkeit. Während andere Regionen im Winter in den Winterschlaf verfallen oder im Sommer mit flachen Bedingungen kämpfen, liefert der Atlantik hier zuverlässig Energie. Es ist die Kombination aus der rauen vulkanischen Ästhetik, der professionellen Infrastruktur und der Gewissheit, jeden Tag eine Welle finden zu können, die die Insel zu einem der wichtigsten Fixpunkte auf der Landkarte des europäischen Surfsports macht. Wer einmal die Sonne hinter dem Risco de Famara untergehen sah, während er auf seinem Brett im Line-up saß, wird verstehen, warum Lanzarote diese besondere Anziehungskraft ausübt.

Leave a Reply