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  • Surfcamps auf den Kanaren: Fuerteventura, Lanzarote & Co.

    Surfcamps auf den Kanaren: Fuerteventura, Lanzarote & Co.

    Surfcamps auf den Kanaren: Fuerteventura, Lanzarote & Co.

    Die Kanarischen Inseln nehmen in der europäischen Surfwelt eine Sonderstellung ein. Geografisch vor der Küste Afrikas gelegen, aber politisch zu Europa gehörend, bieten sie das gesamte Jahr über Bedingungen, die man sonst nur in den Tropen oder an den Küsten Mittelamerikas vermutet. Während der europäische Kontinent im Winter unter kühlen Temperaturen und stürmischem Wetter leidet, bleibt das Klima auf den Kanaren mild. Diese Beständigkeit macht die Inselgruppe zu einem der wichtigsten Ziele für Reisende, die das Wellenreiten erlernen möchten.

    Die Entscheidung für ein Surfcamp auf den Kanaren als Anfänger ist oft der erste Schritt in eine langfristige Leidenschaft. Die Infrastruktur ist hoch entwickelt, die Flugverbindungen von Mitteleuropa aus sind zahlreich und die Qualität der Schulen hat in den letzten zwei Jahrzehnten ein professionelles Niveau erreicht, das weltweiten Standards entspricht. Jede Insel hat dabei ihren eigenen Charakter, ihre eigenen Wellenformen und eine spezifische Atmosphäre, die den Lernerfolg und das Gesamterlebnis maßgeblich beeinflussen.

    Die Besonderheiten der kanarischen Küsten

    Das Surfen auf den Kanaren unterscheidet sich grundlegend vom Surfen an der französischen Atlantikküste oder in Portugal. Der vulkanische Ursprung der Inseln sorgt für eine vielfältige Unterstopografie. Es gibt sowohl klassische Sandstrände (Beachbreaks) als auch Riffe aus erstarrter Lava (Reefbreaks). Für Einsteiger sind vor allem die Beachbreaks von Bedeutung, da der weiche Untergrund das Verletzungsrisiko minimiert und die Orientierung im Wasser erleichtert.

    Ein wesentlicher Faktor für die Beliebtheit der Inseln ist die Beständigkeit des Swells. Der Nordatlantik produziert das ganze Jahr über Wellenenergie, die ungehindert auf die Küsten der Kanaren trifft. Im Winter sorgen Tiefdruckgebiete im Norden für kraftvolle Wellen, während im Sommer die Passatwinde für konstante, meist etwas kleinere Bedingungen verantwortlich sind. Diese klimatische Zuverlässigkeit bedeutet, dass ein Aufenthalt in einem Surfcamp auf den Kanaren nur selten durch absolute Wellenlosigkeit enttäuscht wird.

    Fuerteventura als Zentrum der Surfkultur

    Male surfer holding a blue surfboard on a sunny sandy beach, ready to surf the waves.
    Foto: Oleg Prachuk / Pexels

    Fuerteventura gilt unter den Inseln als diejenige mit der größten Dichte an erstklassigen Stränden für Neulinge. Besonders der Norden rund um die Stadt Corralejo hat sich zu einem Epizentrum der europäischen Szene entwickelt. Hier finden sich zahlreiche Schulen, die sich speziell auf Gäste konzentrieren, die noch nie auf einem Brett gestanden haben.

    Die Geografie der Insel bietet einen entscheidenden Vorteil: Da Fuerteventura schmal ist, liegen die Ost- und Westküste nah beieinander. Wenn der Wind auf der einen Seite zu stark weht oder die Wellen zu hoch sind, weichen die Schulen oft auf die andere Seite aus. Ein bekannter Anlaufpunkt ist der Strand von El Cotillo an der Westküste, der für seine kraftvollen, aber für Lernende gut berechenbaren Wellen bekannt ist. An der Ostküste bieten die Wanderdünen von Corralejo (Flag Beach) oft sanftere Bedingungen, die ideal für die ersten Stehversuche im Weißwasser sind.

    Wer sich über die Details der einzelnen Küstenabschnitte informieren möchte, findet in der Übersicht der Surfspots auf Fuerteventura eine genaue Auflistung der Bodenbeschaffenheiten und Windanfälligkeiten. Für Anfänger ist es wichtig zu verstehen, dass die Gezeiten (Tiden) auf Fuerteventura einen großen Einfluss haben. Viele Strände funktionieren nur bei einem bestimmten Wasserstand optimal, weshalb die lokale Expertise der Camp-Leiter unverzichtbar ist.

    Lanzarote und der Rhythmus von Famara

    Lanzarote wird oft als die mystischere der Inseln beschrieben. Die Landschaft ist geprägt von dunklem Vulkangestein und der Architektur von César Manrique. Surferisch konzentriert sich fast alles auf das kleine Fischerdorf Caleta de Famara im Nordwesten. Der dortige Strand, Playa de Famara, erstreckt sich über mehrere Kilometer unterhalb einer gewaltigen Steilwand, dem Risco de Famara.

    Dieser Strand ist ein Paradebeispiel für einen Beachbreak, der wie für den Unterricht gemacht ist. Die Wellen brechen hier meist sehr gleichmäßig über Sandbänken. Da der Strand sehr breit ist, verteilen sich die vielen Surfschulen gut, sodass man selten das Gefühl hat, sich gegenseitig im Weg zu stehen. Die Atmosphäre in Famara ist deutlich ruhiger und ursprünglicher als im touristisch erschlossenen Corralejo auf Fuerteventura. Hier lebt man in einfachen Apartments, geht nach dem Surfen in eine der wenigen Bars und konzentriert sich voll und ganz auf den Sport und die Natur.

    Lanzarote bietet zudem den Vorteil, dass die Wege kurz sind. Wer an einem Tag eine Pause vom Wasser braucht, kann die Insel in kurzer Zeit erkunden. Doch für die meisten Besucher steht der tägliche Rhythmus aus Theorieeinheiten am Strand, praktischem Training im Wasser und der gemeinsamen Videoanalyse am Abend im Vordergrund.

    Gran Canaria und Teneriffa

    A surfer holding a surfboard on the rocky shores of Lima, Peru, ready for an ocean adventure.
    Foto: Cristian Loayza / Pexels

    Während Fuerteventura und Lanzarote die bekanntesten Destinationen für reine Surfreisen sind, bieten auch die größeren Inseln Gran Canaria und Teneriffa hervorragende Möglichkeiten. Hier ist das Erlebnis oft urbaner.

    Auf Gran Canaria konzentriert sich das Geschehen vor allem auf Las Palmas. Der Stadtstrand Playa de las Canteras bietet am westlichen Ende, im Viertel La Cicer, ideale Bedingungen für Einsteiger. Der Vorteil hier ist die Kombination aus sportlicher Aktivität und dem Leben in einer lebendigen spanischen Metropole. Man wohnt nicht in einem abgeschiedenen Camp, sondern ist Teil des städtischen Lebens, was besonders für Alleinreisende attraktiv sein kann, die neben dem Surfen auch kulturelle Angebote suchen.

    Teneriffa hingegen hat sein Zentrum im Süden, rund um Playa de las Américas. Hier gibt es mehrere Buchten, die durch Molen geschützt sind und so auch bei größerem Swell moderate Wellen für Anfänger bieten. Der Untergrund ist hier jedoch häufiger steinig, was den Einsatz von Surfschuhen (Booties) ratsam macht. Die Schulen auf Teneriffa sind hochprofessionell und nutzen die konstanten Bedingungen des Südens, um Kurse über das ganze Jahr hinweg anzubieten.

    Die Wahl des richtigen Camps

    Bei der Suche nach dem passenden Anbieter stehen viele vor einer großen Auswahl. Es reicht nicht mehr aus, nur nach dem günstigsten Preis zu schauen. Ein qualitativ hochwertiges Camp zeichnet sich durch zertifizierte Lehrer (z. B. durch die ISA – International Surfing Association), ein angemessenes Schüler-Lehrer-Verhältnis und modernes Equipment aus.

    Für ein Surfcamp auf den Kanaren als Anfänger sollte man darauf achten, dass die Gruppen nicht größer als sechs bis acht Personen pro Lehrer sind. Nur so ist gewährleistet, dass jeder Teilnehmer individuelles Feedback erhält. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Videoanalyse. Das Betrachten der eigenen Bewegungsabläufe in Zeitlupe ist oft der Moment, in dem die größten Lernfortschritte erzielt werden, da die Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Realität auf dem Brett oft enorm ist.

    Das Equipment spielt ebenfalls eine Rolle. Anfänger starten in der Regel auf sogenannten Softboards – großen, voluminösen Brettern mit einer weichen Oberfläche. Diese bieten viel Auftrieb, was das Paddeln erleichtert, und minimieren das Verletzungsrisiko bei Stürzen. Seriöse Camps verfügen über eine breite Palette an Boardgrößen, um auf das jeweilige Körpergewicht und das Fitnesslevel der Schüler reagieren zu können.

    Der typische Tagesablauf im Surfcamp

    Das Leben in einem Surfcamp folgt meist einem festen, von der Natur vorgegebenen Takt. Da die Gezeiten und die Windbedingungen die Qualität der Wellen bestimmen, kann der Start in den Tag variieren. Meist beginnt der Morgen mit einem gemeinsamen Frühstück, bei dem die Wettervorhersage besprochen wird.

    Anschließend erfolgt der Transport zum Strand. Dort beginnt die Einheit mit einem Aufwärmprogramm und Trockenübungen an Land. Hier wird der “Take-off”, das Aufstehen auf dem Brett, so lange trainiert, bis die Bewegungsabläufe automatisiert sind. Im Wasser verbringen die Schüler dann meist zwei bis drei Stunden. Der Lehrer ist dabei immer in der Nähe, hilft beim Anpaddeln der Wellen und gibt unmittelbare Korrekturanweisungen.

    Nach der Rückkehr ins Camp folgt eine Ruhephase. Surfen ist körperlich extrem fordernd, besonders für Muskelgruppen im Rücken und in den Schultern, die im Alltag selten so intensiv beansprucht werden. Am späten Nachmittag oder Abend findet oft die Theorieeinheit statt. Hier lernt man etwas über Wellenentstehung, Strömungen, Vorfahrtsregeln und den respektvollen Umgang mit anderen Surfern und der Meeresumwelt. Wer noch unsicher ist, welche Insel oder welches Konzept am besten passt, kann einen Camp-Finder nutzen, um die individuellen Präferenzen mit den Angeboten vor Ort abzugleichen.

    Die beste Reisezeit für Einsteiger

    Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass man nur im Sommer surfen lernen kann. Tatsächlich bieten die Kanaren im Herbst und Frühling oft die besten Bedingungen für Anfänger. In den Monaten September bis November ist das Wasser am wärmsten, und die ersten Herbststürme im Nordatlantik schicken saubere, geordnete Wellen in Richtung Süden.

    Im Winter (Dezember bis Februar) sind die Wellen am größten und kraftvollsten. Das ist die Zeit der Profis, doch für Anfänger bedeutet das keineswegs, dass sie nicht ins Wasser können. Die Surfschulen wählen dann geschützte Buchten aus oder unterrichten im sogenannten Weißwasser – also in der bereits gebrochenen Welle, die als Schaumwalze Richtung Strand rollt. Das Weißwasser ist der ideale Ort, um die Balance und den Take-off zu perfektionieren.

    Der Sommer (Juni bis August) ist geprägt von den Passatwinden. Diese können vor allem auf Fuerteventura sehr stark werden, was für Wind- und Kitesurfer ideal ist, Wellenreiter aber vor Herausforderungen stellt. Dennoch finden die Schulen auch dann immer windgeschützte Ecken. Der Vorteil im Sommer ist die hohe Wahrscheinlichkeit für strahlenden Sonnenschein und eine sehr entspannte, fast schon familiäre Atmosphäre in den Camps.

    Körperliche Vorbereitung und Anforderungen

    Man muss kein Leistungssportler sein, um mit dem Wellenreiten zu beginnen, aber eine gewisse Grundfitness erleichtert den Einstieg erheblich. Die größte Herausforderung für Anfänger ist nicht das Stehen auf dem Brett, sondern das Paddeln und der Weg durch die Brandung hinaus ins Meer.

    Eine gute Vorbereitung umfasst Schwimmtraining, um die Ausdauer zu steigern, und Übungen zur Rumpfstabilität. Yoga hat sich als hervorragende Ergänzung zum Surfen erwiesen, da es sowohl die Flexibilität als auch das Gleichgewicht fördert – zwei Kernaspekte beim Wellenreiten. Wer sich bereits vor der Reise ein wenig vorbereitet, wird die Tage im Camp deutlich mehr genießen können, da der Muskelkater weniger intensiv ausfällt.

    Wichtig ist auch die mentale Einstellung. Surfen ist ein Sport, bei dem man viel Zeit mit Warten und Scheitern verbringt. Die Lernkurve ist zu Beginn steil, flacht dann aber oft ab. Es gehört dazu, vom Brett zu fallen und von einer Welle unter Wasser gedrückt zu werden (der sogenannte “Waschgang”). Ein gutes Surfcamp vermittelt nicht nur die Technik, sondern auch den Spaß an diesem Prozess und den Respekt vor der Kraft des Ozeans.

    Nachhaltigkeit und Respekt vor der Natur

    Die Kanarischen Inseln leiden wie viele beliebte Urlaubsziele unter dem Massentourismus und ökologischen Herausforderungen. Als Surfer entwickelt man zwangsläufig eine enge Bindung zum Meer, was oft zu einem gesteigerten Bewusstsein für Umweltbelange führt. Viele moderne Camps auf den Kanaren setzen mittlerweile auf Nachhaltigkeit. Das reicht von der Vermeidung von Einwegplastik bis hin zu organisierten “Beach Cleanups”, bei denen Gäste und Einheimische gemeinsam Plastikmüll vom Strand sammeln.

    Auch der soziale Respekt ist ein wichtiger Teil der Surfkultur. Die “Locals”, also die einheimischen Surfer, haben an vielen Spots Vorrang. In den Anfängerkursen wird den Schülern beigebracht, wie man sich im “Line-up” (dem Bereich, in dem man auf die Wellen wartet) verhält, ohne andere zu gefährden oder zu stören. Diese Etikette ist weltweit gültig und sorgt dafür, dass das Miteinander im Wasser friedlich bleibt.

    FAQ

    Wie lange dauert es, bis man die erste Welle reitet?

    Die meisten Anfänger schaffen es bereits in der ersten Unterrichtseinheit, im Weißwasser aufzustehen. Bis man jedoch eine “grüne”, also noch nicht gebrochene Welle surft, vergehen in der Regel drei bis fünf Tage intensiven Trainings. Das hängt stark von der individuellen Fitness und dem Gleichgewichtssinn ab.

    Brauche ich einen eigenen Neoprenanzug für die Kanaren?

    In der Regel stellen die Surfcamps das gesamte Material, inklusive Neoprenanzug. Da die Wassertemperaturen selbst im Winter selten unter 18 Grad fallen, reicht meist ein 3/2mm Anzug aus. Wer jedoch empfindlich auf Kälte reagiert oder aus hygienischen Gründen lieber einen eigenen Anzug trägt, kann sich vor Ort oder vorab ein Modell kaufen.

    Ist Surfen lernen auf den Kanaren gefährlich?

    Unter professioneller Anleitung ist das Risiko sehr gering. Die Schulen wählen Strände mit sandigem Untergrund und moderaten Wellen aus. Die größte Gefahr geht meist nicht vom Meer aus, sondern von den eigenen Brettern oder denen anderer Surfer, wenn man den Sicherheitsabstand nicht einhält. Deshalb ist die theoretische Einweisung zu Beginn des Kurses so wichtig.

    Welches ist die beste Insel für einen reinen Anfängerkurs?

    Fuerteventura und Lanzarote (Famara) teilen sich den Spitzenplatz. Fuerteventura bietet mehr Abwechslung und verschiedene Küsten, während Lanzarote mit dem Strand von Famara eine der konstantesten und am einfachsten zu surfenden Wellen für Einsteiger besitzt. Beide Inseln sind hervorragend geeignet.

    Kann man auch als Alleinreisender in ein Surfcamp gehen?

    Ja, das ist sogar sehr üblich. Surfcamps sind soziale Orte, an denen man schnell Anschluss findet. Man teilt den Tag im Wasser, die Mahlzeiten und oft auch die Unterkunft. Die gemeinsame Erfahrung, eine neue Sportart zu erlernen, verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft sehr schnell.

    Wie viel Budget sollte man für eine Woche Surfcamp einplanen?

    Die Preise variieren je nach Insel und Komfortlevel des Camps. Ein Paket aus Unterkunft, Surfkurs und Materialmiete kostet meist zwischen 500 und 900 Euro pro Woche. Hinzu kommen die Kosten für den Flug und die Verpflegung, sofern diese nicht im Paket enthalten ist.

    Die Kanarischen Inseln bleiben aufgrund ihrer geografischen Lage und der hohen Qualität der Schulen das wichtigste Ziel für europäische Wellenreit-Einsteiger. Ob man sich für die Weite Fuerteventuras, die raue Schönheit Lanzarotes oder das urbane Flair Gran Canarias entscheidet, ist letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Das Erlebnis, die erste Welle zu reiten und die Energie des Atlantiks unter dem Brett zu spüren, ist auf jeder der Inseln gleichermaßen prägend.

  • Surfcamps auf Lanzarote

    Surfcamps auf Lanzarote

    Surfcamps auf Lanzarote

    Wenn der Flieger im Anflug auf Arrecife die Wolkendecke durchbricht, bietet sich ein Anblick, der wenig mit dem klassischen Postkarten-Idyll tropischer Inseln gemein hat. Lanzarote ist eine Insel aus erstarrter Lava, gezeichnet von dunklen Kratern und schroffen Küstenlinien. Doch genau diese vulkanische Beschaffenheit bildet das Fundament für eines der beständigsten Wellenreviere Europas. Wer ein Surfcamp auf Lanzarote besucht, entscheidet sich für eine Umgebung, die in der Surfszene oft als das „Hawaii Europas“ bezeichnet wird – ein Vergleich, der angesichts der Kraft des Atlantiks und der Qualität der Riffe durchaus seine Berechtigung hat.

    Die Insel bietet eine Dichte an erstklassigen Wellen, die auf dem europäischen Festland kaum zu finden ist. Während in Frankreich oder Portugal oft weite Fahrten zwischen den einzelnen Buchten nötig sind, liegen auf Lanzarote Weltklasse-Spots oft nur wenige Minuten voneinander entfernt. Das Angebot reicht von sanft auslaufenden Wellen für Anfänger bis hin zu hohl brechenden Reefbreaks für Experten. Ein Aufenthalt in einem professionell geführten Camp ermöglicht es, diese Vielfalt sicher und strukturiert zu erkunden, ohne sich den Gefahren der unberechenbaren Strömungen oder scharfen Lavafelsen allein aussetzen zu müssen.

    Famara als Zentrum der Surfszene

    Das Herz des Surfsports auf Lanzarote schlägt im Nordwesten, in dem kleinen Fischerdorf Caleta de Famara. Der Ort liegt am Fuße des imposanten Risco de Famara, einer massiven Steilwand, die fast 500 Meter senkrecht aus dem Meer aufragt. Diese Kulisse prägt das Lebensgefühl vor Ort. In den sandigen Gassen von Famara sieht man mehr Menschen mit Neoprenanzügen und Surfbrettern als in herkömmlicher Urlaubskleidung. Hier haben sich die meisten Schulen und Unterkünfte angesiedelt, da der angrenzende Strand, die Playa de Famara, ideale Bedingungen für alle Könnensstufen bietet.

    Der Strand erstreckt sich über fast sechs Kilometer und fängt nahezu jeden verfügbaren Swell aus dem Nordatlantik ein. Für Einsteiger ist dieser Spot deshalb so wertvoll, weil er über einem sandigen Untergrund bricht, was das Verletzungsrisiko minimiert. In einem Surfcamp verbringen Anfänger hier meist ihre ersten Tage, um die Grundlagen des Paddelns und den Take-off in der Weißwasserwelle zu erlernen. Fortgeschrittene hingegen nutzen die Gezeiten, um bei Ebbe oder Flut die verschiedenen Sektionen der „Green Waves“ zu surfen, die je nach Sandbank mal steiler, mal flacher ausfallen.

    Abseits des Wassers bietet Caleta de Famara eine Infrastruktur, die ganz auf die Bedürfnisse von Surfern zugeschnitten ist. Es gibt keine großen Hotelkomplexe, sondern überwiegend kleine Bungalows und Apartmenthäuser. Die Atmosphäre ist entspannt und funktional. Man trifft sich nach der Session in einer der wenigen Bars auf einen Cortado oder ein kühles Bier und bespricht die Bedingungen des Tages. Wer tiefere Einblicke in die lokale Geografie und die Beschaffenheit der Küste sucht, findet in unserer detaillierten Übersicht über die Surfspots auf Lanzarote weiterführende Informationen zu den Strömungsverhältnissen und Gezeitenfenstern.

    Die Qualität der Wellen und Reviere

    Surfers riding powerful waves, capturing the thrill and skill of ocean surfing.
    Foto: Lorenzo Davighi / Pexels

    Lanzarote ist geografisch so exponiert, dass die Insel von drei Seiten Wellen empfangen kann. Das macht sie zu einem der verlässlichsten Ziele für Surfreisen weltweit. Während die Westküste mit Famara der Hauptanlaufpunkt für den Breitensport ist, finden sich an der Nord- und Ostküste Spots, die internationale Berühmtheit erlangt haben. Orte wie La Santa oder der legendäre Reefbreak „El Quemao“ ziehen Profis aus aller Welt an. El Quemao wird oft in einem Atemzug mit der Pipeline auf Hawaii genannt, da die Welle über einem flachen Lavariff bricht und massive, hohle Tunnel bildet.

    Für Gäste in einem Surfcamp ist der Zugang zu diesen anspruchsvollen Wellen meist durch das Guiding der Trainer geregelt. Ein guter Coach weiß genau, bei welcher Windrichtung und welchem Schwell ein Spot funktioniert und – was noch wichtiger ist – wann er für die jeweilige Gruppe zu gefährlich wird. Die vulkanische Beschaffenheit der Insel bedeutet nämlich auch, dass viele Wellen über scharfkantigem Gestein brechen. Seeigel und starke Strömungen sind Faktoren, die man nicht unterschätzen darf. Ein lokaler Guide verkürzt die Lernkurve erheblich, indem er die Gruppe an die Spots führt, die dem jeweiligen Level entsprechen.

    Im Vergleich zu anderen Inseln des Archipels bietet Lanzarote eine sehr kompakte Struktur. Wer Abwechslung sucht, kann innerhalb von 20 Minuten die Küstenseite wechseln und so fast immer windgeschützte Bedingungen finden. Diese Flexibilität ist ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Surfcamps auf den Kanaren, wo die Wege oft deutlich länger und die Spots schwieriger zu erreichen sind. Auf Lanzarote ist die Dichte an qualitativ hochwertigen Wellen pro Quadratkilometer schlichtweg höher.

    Was ein modernes Surfcamp auszeichnet

    Die Zeiten, in denen Surfcamps lediglich aus Stockbetten und einfachen Gemeinschaftsküchen bestanden, sind auf Lanzarote weitgehend vorbei. Die Szene hat sich professionalisiert. Heute definieren sich hochwertige Camps über die Qualität des Coachings und die Tiefe der theoretischen Ausbildung. Es geht nicht mehr nur darum, jemanden auf ein Brett zu stellen und in eine Welle zu schieben. Moderne Lehrmethoden beinhalten Videoanalysen, bei denen die Bewegungsabläufe Bild für Bild zerlegt werden, um Fehler in der Haltung oder der Gewichtsverteilung zu korrigieren.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vermittlung von Wissen über Ozeanographie. In einem seriösen Camp lernen die Teilnehmer, Wetterkarten zu lesen, Swell-Vorhersagen zu interpretieren und die Gefahren von Ripp-Strömungen zu erkennen. Dieses Wissen ist essenziell, um später auch eigenständig und sicher surfen zu können. Auch das Material spielt eine Rolle: Ein gutes Camp verfügt über eine breite Palette an Brettern – von großvolumigen Softboards für die ersten Versuche bis hin zu verschiedenen Hardboards für die ersten Versuche in der ungebrochenen Welle.

    Die soziale Komponente bleibt dennoch ein Kernbestandteil. Das gemeinsame Erleben der Natur, das Teilen von Erfolgen und auch das kollektive Verarbeiten von Waschgängen schweißt die Gruppen zusammen. Viele Camps bieten zudem ergänzende Aktivitäten wie Yoga an, das speziell auf die beim Surfen beanspruchten Muskelgruppen (Rücken, Schultern, Hüfte) abgestimmt ist. Um das passende Angebot für die eigenen Bedürfnisse zu finden, empfiehlt es sich, unseren Camp-Finder zu nutzen, der die verschiedenen Spezialisierungen und Komfortstufen der Anbieter vergleichbar macht.

    Die beste Reisezeit für Surfer

    Thrilling image of a surfer riding powerful ocean waves, showcasing adventure and skill.
    Foto: pierre matile / Pexels

    Lanzarote wird oft als die „Insel des ewigen Frühlings“ bezeichnet, was für Surfer eine ganzjährige Saison bedeutet. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede in den Bedingungen je nach Jahreszeit. Die Wintermonate von Oktober bis März gelten als die Prime-Time für erfahrene Surfer. In dieser Zeit schicken kräftige Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik konstante und kraftvolle Wellen in Richtung der Kanaren. Die Wassertemperatur sinkt selten unter 18 Grad, was mit einem guten 3/2mm oder 4/3mm Neoprenanzug problemlos zu bewältigen ist.

    Für Anfänger und Intermediates sind hingegen die Frühlings- und Sommermonate ideal. Die Wellen sind in dieser Zeit meist kleiner und weniger wuchtig, was den Lernprozess im Weißwasser oder in kleinen grünen Wellen erleichtert. Ein Faktor, den man im Sommer jedoch berücksichtigen muss, ist der Passatwind. Dieser weht in den Monaten Juni, Juli und August oft sehr stark aus Nordost. Während dies für Wind- und Kitesurfer perfekt ist, kann es für Wellenreiter die Bedingungen an der Nordküste erschweren. In dieser Zeit weichen die Surfcamps oft auf die frühen Morgenstunden aus, bevor der thermische Wind an Fahrt gewinnt.

    Der Herbst, insbesondere der September und Oktober, gilt unter Kennern als die vielleicht beste Zeit. Der Wind lässt nach, das Wasser ist durch den Sommer auf bis zu 23 Grad aufgeheizt und die ersten herbstlichen Swells bringen saubere, geordnete Wellen an die Küsten. Zudem ist die Insel in dieser Zeit weniger überlaufen als während der klassischen Ferienmonate, was die Atmosphäre im Wasser und in den Dörfern noch entspannter macht.

    Leben und Kultur abseits des Wassers

    Ein Aufenthalt in einem Surfcamp auf Lanzarote wäre unvollständig, ohne die einzigartige kulturelle und ökologische Identität der Insel zu würden. Lanzarote wurde maßgeblich durch das Wirken des Künstlers und Umweltschützers César Manrique geprägt. Sein Einfluss hat dazu geführt, dass die Insel vor dem Massentourismus der 70er und 80er Jahre weitgehend bewahrt wurde. Es gibt keine Hochhäuser, die die Sicht auf die Vulkane versperren, und die Architektur folgt einem strengen Farbcode aus Weiß, Grün und Blau.

    An Tagen, an denen die Arme vom Paddeln schwer sind oder der Wind einmal zu stark weht, bietet das Hinterland faszinierende Ausflugsziele. Der Timanfaya Nationalpark mit seinen Feuerbergen zeigt die rohe, ungebändigte Kraft der Natur. Ebenso beeindruckend ist das Weinbaugebiet La Geria, wo die Reben in kleinen, mit Lavasteinen geschützten Mulden wachsen – eine weltweit einzigartige Form der Landwirtschaft.

    Kulinarisch bietet die Insel eine ehrliche, kanarische Küche. In den kleinen Restaurants in Famara oder im nahegelegenen Teguise sollte man unbedingt die „Papas Arrugadas“ mit Mojo-Sauce probieren oder fangfrischen Fisch bestellen. Diese Erdung durch die lokale Kultur und die spektakuläre Landschaft sorgt dafür, dass ein Surfurlaub auf Lanzarote mehr ist als nur Sport; es ist ein Eintauchen in ein Ökosystem, das den Menschen Demut vor den Elementen lehrt.

    Häufige Fragen zum Thema

    FAQ

    Ist Lanzarote für absolute Anfänger geeignet?

    Ja, absolut. Trotz des Rufes als Revier für Profis bietet vor allem der Strand von Famara ideale Bedingungen für Einsteiger. Der sandige Untergrund und die langen Weißwasserwellen ermöglichen es Anfängern, die Grundlagen in einer sicheren Umgebung zu erlernen. Die meisten Surfcamps auf der Insel haben sich genau auf diese Zielgruppe spezialisiert und bieten Kurse an, die auf die ersten Schritte im Wasser zugeschnitten sind.

    Welchen Neoprenanzug brauche ich auf Lanzarote?

    Das hängt von der Jahreszeit ab. Im Sommer und frühen Herbst (September/Oktober) reicht oft ein 2mm Shorty oder ein dünner 3/2mm Fullsuit. Im Winter, wenn das Wasser auf etwa 18 Grad abkühlt und der Wind kühler wehen kann, ist ein 3/2mm oder sogar ein 4/3mm Fullsuit die richtige Wahl. Die meisten Camps stellen das Material im Rahmen der Kurse zur Verfügung, sodass man sich vorab nicht zwingend selbst ausstatten muss.

    Brauche ich auf Lanzarote einen Mietwagen?

    Wenn das Surfcamp direkt in Famara liegt und man dort auch den Großteil seiner Zeit verbringt, ist ein Mietwagen nicht zwingend notwendig, da alles fußläufig erreichbar ist. Möchte man jedoch die Insel erkunden, andere Spots wie La Santa besuchen oder die Sehenswürdigkeiten im Landesinneren sehen, ist ein Mietwagen sehr empfehlenswert. Die Preise für Mietautos sind auf den Kanaren vergleichsweise günstig und die Straßen gut ausgebaut.

    Wie ist das Preisniveau für ein Surfcamp auf Lanzarote?

    Lanzarote liegt preislich im Mittelfeld der europäischen Surfdestinationen. Ein Paket aus Unterkunft, Surfkurs und Materialmiete ist oft günstiger als vergleichbare Angebote in Frankreich, aber etwas teurer als in Marokko. Die Lebenshaltungskosten für Verpflegung und Gastronomie sind moderat, besonders wenn man die lokalen Angebote abseits der touristischen Zentren nutzt.

    Gibt es Probleme mit Localism an den Spots?

    An den Hauptspots für Anfänger und Fortgeschrittene, wie der Playa de Famara, gibt es praktisch keinen Localism. Hier herrscht eine sehr offene und internationale Atmosphäre. An den anspruchsvollen Reefbreaks wie El Quemao oder La Santa sieht das etwas anders aus. Dort ist die Hierarchie im Wasser strenger und Respekt gegenüber den einheimischen Surfern ist Grundvoraussetzung. Als Camp-Teilnehmer ist man unter der Anleitung eines Guides jedoch meist gut geschützt und wird an die passenden Stellen herangeführt.

    Die Entscheidung für ein Surfcamp auf Lanzarote ist letztlich eine Entscheidung für Beständigkeit. Während andere Regionen im Winter in den Winterschlaf verfallen oder im Sommer mit flachen Bedingungen kämpfen, liefert der Atlantik hier zuverlässig Energie. Es ist die Kombination aus der rauen vulkanischen Ästhetik, der professionellen Infrastruktur und der Gewissheit, jeden Tag eine Welle finden zu können, die die Insel zu einem der wichtigsten Fixpunkte auf der Landkarte des europäischen Surfsports macht. Wer einmal die Sonne hinter dem Risco de Famara untergehen sah, während er auf seinem Brett im Line-up saß, wird verstehen, warum Lanzarote diese besondere Anziehungskraft ausübt.