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  • Surfen im Winter: Die Kanaren als Warmwasser-Ziel

    Surfen im Winter: Die Kanaren als Warmwasser-Ziel

    Wenn in Mitteleuropa die ersten Frostnächte einsetzen und die Wassertemperaturen der Nord- und Ostsee in den einstelligen Bereich sinken, beginnt auf einer Inselgruppe im Atlantik die Hochsaison. Die Kanarischen Inseln, geografisch vor der Küste Afrikas gelegen, aber politisch zu Spanien gehörend, haben sich längst als das “Hawaii Europas” etabliert. Wer zum Wellenreiten auf die Kanaren im Winter reist, sucht meist nicht nur nach konstanten Bedingungen, sondern vor allem nach einer Flucht vor dem dicken Neoprenanzug und dem grauen Alltag. Während die Strände Frankreichs oder Portugals in den Wintermonaten oft von gewaltigen, stürmischen Tiefdruckgebieten heimgesucht werden, bieten die Kanaren eine geografisch begünstigte Lage, die sowohl Weltklasse-Wellen als auch milde Temperaturen garantiert.

    Die klimatischen Vorzüge der Inseln

    Der entscheidende Vorteil der Kanaren gegenüber dem europäischen Festland ist die beständige Wärme. Selbst im Januar und Februar bewegen sich die Lufttemperaturen tagsüber meist zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Das Wasser kühlt selten unter 18 Grad ab, was für die meisten Surfer bedeutet, dass ein hochwertiger 3/2mm-Neoprenanzug für längere Sessions völlig ausreicht. Diese klimatische Stabilität ist auf den Kanarenstrom und die Nähe zur Sahara zurückzuführen.

    Ein weiterer Faktor ist der Wind. Während im Sommer der Nordostpassat oft sehr stark weht und viele Spots “verbläst”, beruhigt sich die Windsituation im Winter häufiger oder dreht auf südliche Richtungen. Dies führt zu sauberen Bedingungen an den Nordküsten, wo die großen Winter-Swells aus dem Nordatlantik ungehindert auf die vulkanischen Riffe treffen. Die Kombination aus kräftigem Grundswell und moderaten Winden macht die Monate von November bis März zur qualitativ hochwertigsten Zeit für erfahrene Surfer.

    Die Geografie der Wellen

    A surfer skillfully rides a wave on a vibrant blue ocean day, showcasing aquatic athleticism.
    Foto: Justyna Serafin / Pexels

    Die Kanaren sind vulkanischen Ursprungs, was ihre Unterstopografie maßgeblich prägt. Im Gegensatz zu den sandigen Beachbreaks Südfrankreichs dominieren hier Riffe aus erstarrter Lava. Diese Riffe sorgen für eine hohe Beständigkeit der Wellenformen: Da sich der Untergrund nicht verschiebt, bricht die Welle bei gleicher Swell-Richtung und Periode immer am exakt gleichen Punkt.

    Für Fortgeschrittene bietet dies die Möglichkeit, sehr präzise an ihrer Technik zu arbeiten. Für Anfänger hingegen stellt die scharfe Lava eine Herausforderung dar. Dennoch gibt es auf fast jeder Insel geschützte Buchten mit Sanduntergrund, die ideal für die ersten Stehversuche sind. Die Tiefe des Atlantiks rund um die Inseln sorgt zudem dafür, dass der Swell kaum Energie verliert, bevor er auf die Küste trifft. Das Ergebnis sind kraftvolle Wellen, die oft eine deutlich höhere Energie aufweisen als Wellen gleicher Höhe in der Nordsee.

    Die Auswahl der passenden Insel

    Jede der Kanarischen Inseln hat ihren eigenen Charakter und ihre spezifischen Vorzüge für Surfer. Fuerteventura gilt oft als die vielseitigste Option. Die Insel ist weniger bebaut als Gran Canaria oder Teneriffa und bietet an der Nordküste eine enorme Dichte an erstklassigen Breaks. Besonders die “North Shore” zwischen Corralejo und El Cotillo ist berühmt für ihre Riffwellen. Wer die Insel erkunden möchte, findet eine Vielzahl an Informationen über die verschiedenen Spots auf Fuerteventura, die von sanften Longboard-Wellen bis hin zu hohlen Barrels reichen.

    Lanzarote hingegen ist bekannt für seine Kraft. Spots wie “El Quemao” werden oft mit dem hawaiianischen Pipeline verglichen und sind ausschließlich Profis vorbehalten. Doch auch hier bietet der Strand von Famara eine sichere Umgebung für Einsteiger. Gran Canaria und Teneriffa haben den Vorteil einer exzellenten urbanen Infrastruktur. In Las Palmas de Gran Canaria kann man direkt in der Stadt am Strand “La Cicer” surfen und danach in ein Café gehen. Um bei der Vielzahl an Optionen die richtige Wahl zu treffen, empfiehlt sich die Nutzung von einem individuellen Finder für Surfreisen, der die persönlichen Vorlieben und das eigene Level berücksichtigt.

    Für diejenigen, die nicht auf eigene Faust losziehen möchten, gibt es eine breite Palette an organisierten Unterkünften. Die professionell geführten Surfcamps auf den Kanaren bieten oft nicht nur Material und Kurse an, sondern auch das nötige Wissen über die tagesaktuellen Bedingungen, was bei den komplexen Gezeiten- und Windverhältnissen der Inseln von unschätzbarem Wert ist.

    Wellenreiten auf den Kanaren im Winter

    Surfer mastering the waves on a cloudy day at Uruguayana beach in a black and white image.
    Foto: Sergio Arteaga / Pexels

    Die Qualität des Wellenreitens auf den Kanaren im Winter wird maßgeblich durch die Beständigkeit des Nordatlantik-Swells bestimmt. Während man im Sommer oft auf lokale Windwellen angewiesen ist, erreichen im Winter die Ausläufer der großen Stürme, die zwischen Neufundland und Island entstehen, die Inseln als sauberer Grundswell. Diese Wellen haben tausende Kilometer zurückgelegt, was zu einer langen Periode führt – also einem großen zeitlichen Abstand zwischen den einzelnen Wellenbergen. Lange Perioden bedeuten mehr Energie und geordnetere Sets.

    Ein typischer Wintertag beginnt oft mit einer “Dawn Patrol”. Da die Sonne im Winter später aufgeht, bleibt Zeit für einen Kaffee, bevor man pünktlich zum ersten Licht am Wasser ist. Oft ist der Wind am frühen Morgen noch schwach oder weht leicht ablandig (Offshore), was die Wellenoberfläche glättet. In den Mittagsstunden frischt der Wind häufig auf, bevor er gegen Abend wieder abflaut. Dieses tägliche Muster erlaubt es, die Sessions um die Gezeiten herum zu planen, die auf den Kanaren einen Tidenhub von bis zu zwei Metern erreichen können und damit viele Spots massiv beeinflussen.

    Logistik und Vorbereitung vor Ort

    Die Anreise aus Mitteleuropa ist mit einer Flugzeit von etwa vier bis fünf Stunden unkompliziert. Ein Mietwagen ist auf den Kanaren fast unverzichtbar, insbesondere wenn man die Flexibilität haben möchte, je nach Wind- und Wellenrichtung die Küstenseite zu wechseln. Die Straßen sind meist gut ausgebaut, wobei man für die Schotterpisten an der North Shore von Fuerteventura oder im Norden Lanzarotes ein Fahrzeug mit etwas mehr Bodenfreiheit in Betracht ziehen sollte.

    Ein oft unterschätzter Aspekt ist der Sonnenschutz. Auch wenn es Winter ist, bleibt die UV-Strahlung aufgrund der Nähe zum Äquator intensiv. Zinkcreme und ein Lycra-Shirt für die Mittagshitze gehören in jedes Reisegepäck. Zudem sollte man sich mit den lokalen Vorrangregeln im Wasser vertraut machen. Da die Inseln im Winter sehr gut besucht sind, ist gegenseitiger Respekt an den oft vollen Line-ups oberstes Gebot. “Localism” ist an einigen der bekannteren Riffe ein Thema; eine zurückhaltende und höfliche Art hilft jedoch fast immer, Konflikte zu vermeiden.

    Fragen und Antworten zum Surfen auf den Kanaren

    Ist der Winter auf den Kanaren für Anfänger geeignet?

    Ja, allerdings ist die Spotwahl entscheidend. Während viele Riffe im Winter nur für Fortgeschrittene sicher sind, bieten Beachbreaks wie Playa de Famara auf Lanzarote oder Playa de Cotillo auf Fuerteventura auch in der kalten Jahreszeit gute Bedingungen für Einsteiger. Es ist ratsam, sich einer lokalen Surfschule anzuschließen, da die Strömungen bei großem Swell tückisch sein können.

    Welchen Neoprenanzug sollte ich einpacken?

    Für die meisten Surfer ist ein 3/2mm Fullsuit die ideale Wahl. Wer sehr kälteempfindlich ist oder lange Sessions von drei Stunden und mehr plant, ist mit einem 4/3mm Modell auf der sicheren Seite. Booties sind an den scharfen Lavariffen empfehlenswert, um Verletzungen beim Ein- und Ausstieg zu vermeiden, auch wenn das Wasser selbst warm genug für barfüßiges Surfen wäre.

    Wie voll sind die Line-ups in den Wintermonaten?

    Der Winter ist die Hauptreisezeit, daher sind bekannte Spots oft gut besucht. Insbesondere an den Wochenenden, wenn die lokalen Surfer frei haben, kann es in der Nähe der Ballungszentren voll werden. Wer jedoch bereit ist, früh aufzustehen oder etwas längere Fußwege zu entlegeneren Buchten auf sich zu nehmen, findet immer noch ruhige Sessions.

    Brauche ich ein eigenes Board oder kann ich vor Ort leihen?

    Die Infrastruktur ist exzellent. In den Surf-Zentren wie Corralejo, Las Palmas oder Playa de las Américas gibt es zahlreiche Shops, die aktuelles Material vermieten. Wer jedoch spezifische Performance-Boards sucht oder länger als zwei Wochen bleibt, fährt mit dem eigenen Board oft günstiger, trotz der Sportgepäckgebühren der Fluggesellschaften.

    Gibt es gefährliche Meerestiere auf den Kanaren?

    Die Kanaren sind in dieser Hinsicht sehr sicher. Es gibt keine gefährlichen Haie in Küstennähe. Die größten Gefahren im Wasser gehen von Seeigeln aus, die in den Felsspalten der Riffe sitzen, sowie von der gelegentlich auftretenden Portugiesischen Galeere, einer Quallenart, deren Tentakel schmerzhafte Verbrennungen verursachen können. Ein aufmerksamer Blick auf die Wasseroberfläche und lokale Warnhinweise reichen in der Regel aus.

    Die Kanarischen Inseln bleiben auch nach Jahrzehnten des Surftourismus das wichtigste Refugium für europäische Wellenreiter im Winter. Die Verbindung aus verlässlicher Atlantik-Energie und dem milden Klima der “Inseln des ewigen Frühlings” schafft ein Gesamtpaket, das in dieser Nähe zu Europa konkurrenzlos bleibt. Ob man die Herausforderung der kraftvollen Riffe sucht oder in einem Camp die ersten Kurven auf einer Welle lernt – die Inselgruppe bietet die nötige Tiefe und Vielfalt für jede Könnensstufe. Wer einmal die Erfahrung gemacht hat, im Januar nach einer langen Session bei Sonnenuntergang im T-Shirt am Strand zu sitzen, wird die Anziehungskraft dieser vulkanischen Außenposten verstehen.

  • Surfcamps auf Gran Canaria

    Surfcamps auf Gran Canaria

    Surfcamps auf Gran Canaria

    Gran Canaria wird oft als Miniaturkontinent bezeichnet, ein Begriff, der die klimatische und topografische Vielfalt der drittgrößten Kanareninsel treffend zusammenfasst. Während im Zentrum schneebedeckte Gipfel thronen und der Süden mit weitläufigen Dünenlandschaften lockt, bietet die Nordküste eine ganz andere Realität: raue Klippen, vulkanische Riffe und eine beständige Brandung, die den Atlantik direkt an die Haustür der Inselhauptstadt Las Palmas bringt. Für Reisende, die ein Surfcamp auf Gran Canaria suchen, bedeutet diese Vielfalt vor allem eines: Verlässlichkeit. Die Insel ist kein saisonales Ziel, das nur in den Wintermonaten funktioniert; sie ist eine Ganzjahresdestination, die für jedes Leistungsniveau die passende Welle bereithält.

    Die Surfkultur auf Gran Canaria ist tief verwurzelt und weniger kommerzialisiert als auf den Nachbarinseln Fuerteventura oder Lanzarote. In den Vierteln von Las Palmas, insbesondere rund um den Stadtstrand La Cícer, gehört das Surfbrett zum alltäglichen Straßenbild wie der Espresso in der Bar an der Ecke. Wer hierher kommt, taucht nicht nur in einen Sport ein, sondern in einen urbanen Lebensstil, der die Energie des Ozeans mit der Dynamik einer spanischen Metropole verbindet. Ein Aufenthalt in einem der spezialisierten Camps ermöglicht es, diese authentische Seite der Insel kennenzulernen, während man unter professioneller Anleitung seine Technik verbessert.

    Die besten Regionen zum Wellenreiten

    Die geografische Beschaffenheit der Insel sorgt dafür, dass fast immer irgendwo eine Welle bricht. Dennoch konzentriert sich das Geschehen für Surfcamps primär auf den Norden. Las Palmas de Gran Canaria ist das unbestrittene Zentrum. Der Strand Las Canteras bietet an seinem westlichen Ende, dem Abschnitt La Cícer, ideale Bedingungen für Anfänger und Fortgeschrittene. Der Untergrund ist hier sandig, was die Verletzungsgefahr minimiert, während die umliegenden Molen den Wellengang so sortieren, dass saubere Linien entstehen.

    Wer die Stadt verlassen möchte, findet entlang der Nordküste eine Aneinanderreihung von Weltklasse-Spots. Orte wie El Confital, oft als eine der besten Rechtswellen Europas bezeichnet, oder die kraftvollen Breaks von Gáldar sind jedoch eher erfahrenen Surfern vorbehalten. Die meisten Surfspots auf Gran Canaria bieten eine Mischung aus vulkanischem Riff und Beachbreaks. Während die Riffe (Reefbreaks) konstante, steile Wellen produzieren, sind die Beachbreaks flexibler und verzeihender für Fehler.

    Der Süden der Insel, bekannt für seine touristischen Zentren wie Maspalomas und Playa del Inglés, ist wellentechnisch weniger beständig. Dennoch können starke Südswells oder außergewöhnliche Wetterlagen auch hier exzellente Bedingungen schaffen. Für die tägliche Ausbildung in einem Camp ist der Norden jedoch die sicherere Wahl, da die Nordatlantik-Tiefs hier ungehindert auf die Küste treffen und für eine konstante Wellenausbeute sorgen.

    Ausbildung und Coaching im Surfcamp

    Vibrant ocean waves crashing against a rugged coastline with distant cliffs and town view.
    Foto: Matilde Ferreira / Pexels

    Ein qualitativ hochwertiges surfcamp gran canaria zeichnet sich nicht nur durch die Lage, sondern vor allem durch die didaktische Tiefe des Unterrichts aus. Die Zeiten, in denen man lediglich ein Brett in die Hand gedrückt bekam, sind längst vorbei. Moderne Camps setzen auf zertifizierte Lehrer (oft nach ISA-Standard) und kleine Gruppen, um eine individuelle Betreuung zu gewährleisten.

    Der Lernprozess beginnt meist mit der Materialkunde und Trockenübungen am Strand. Für Anfänger steht der “Take-off”, das Aufstehen auf dem Brett, im Vordergrund. Fortgeschrittene arbeiten hingegen an ihrem Timing, der Positionierung im Line-up und ersten Manövern wie dem “Bottom Turn”. Ein wesentlicher Bestandteil professioneller Camps ist heute die Videoanalyse. Dabei werden die Wellenritte der Teilnehmer gefilmt und am Abend gemeinsam analysiert. Dieser visuelle Abgleich zwischen Eigenwahrnehmung und Realität beschleunigt die Lernkurve massiv, da Bewegungsfehler im Detail korrigiert werden können.

    Neben der Praxis spielt die Theorie eine zentrale Rolle. Das Verständnis von Gezeiten, Strömungen und der Entstehung von Wellen ist essenziell für die Sicherheit im Wasser. Ein gutes Camp vermittelt dieses Wissen so, dass die Teilnehmer langfristig in der Lage sind, Bedingungen selbstständig einzuschätzen. Wer einen breiteren Überblick über die Möglichkeiten in der Region sucht, findet bei den Surfcamps auf den Kanaren vielfältige Konzepte, die von reinem Sportfokus bis hin zu Yoga-Kombinationen reichen.

    Die beste Zeit für eine Surfreise

    Gran Canaria wird oft als “Insel des ewigen Frühlings” bezeichnet, was für Surfer eine fast garantierte Ganzjahressaison bedeutet. Dennoch gibt es signifikante Unterschiede zwischen den Jahreszeiten. Die Kernsaison für erfahrene Surfer sind die Monate Oktober bis März. In dieser Zeit schickt der Nordatlantik kräftige Swells Richtung Kanaren, die an den Riffen der Nordküste ihre volle Kraft entfalten. Die Wassertemperaturen liegen dann bei etwa 18 bis 20 Grad Celsius, was einen 3/2mm oder 4/3mm Neoprenanzug erforderlich macht.

    Für Anfänger und Intermediates sind die Frühlings- und Sommermonate oft angenehmer. Die Wellen sind tendenziell kleiner und geordneter, was den Einstieg erleichtert. Zudem sorgt der Passatwind im Sommer zwar für unruhigere Bedingungen an einigen Spots, schafft aber an geschützten Stellen perfekte Lernbedingungen. Ein weiterer Vorteil des Sommers ist die längere Tageslichtdauer und das wärmere Wasser, das bis zu 23 Grad erreichen kann.

    Ein wichtiger Faktor bei der Planung ist die Auslastung der Spots. Während der Ferienzeiten kann es in Las Palmas voll werden. Wer Flexibilität schätzt, sollte die Nebensaison im späten Frühjahr oder frühen Herbst nutzen. In diesen Übergangsphasen ist das Verhältnis zwischen Wellenqualität und Platz im Wasser oft am besten. Um das passende Angebot für den individuellen Zeitraum und das eigene Level zu finden, hilft ein Blick in den Surfcamp Finder, der die verschiedenen Optionen transparent vergleichbar macht.

    Das Leben abseits des Wassers

    A dry canal surrounded by palm trees under a clear blue sky with distant mountains.
    Foto: Marina Endzhirgli / Pexels

    Ein Aufenthalt in einem Surfcamp auf Gran Canaria ist immer auch eine Begegnung mit der kanarischen Lebensart. Besonders in Las Palmas ist die Atmosphäre geprägt von einer Mischung aus spanischer Gelassenheit und internationalem Flair. Nach der Surfsession trifft man sich in den Tapas-Bars von Guanarteme oder schlendert über die kilometerlange Promenade Las Canteras. Die kulinarische Seite der Insel bietet weit mehr als die bekannten “Papas arrugadas mit Mojo-Sauce”; die lokale Küche ist frisch, fischlastig und überraschend vielfältig.

    Für die unterrichtsfreien Tage bietet das Hinterland der Insel dramatische Kontraste. Nur 30 Autominuten von der Küste entfernt, verändert sich die Landschaft radikal. Tiefe Schluchten (Barrancos), Kiefernwälder und markante Felsformationen wie der Roque Nublo laden zum Wandern oder Mountainbiken ein. Diese geografische Kompaktheit macht Gran Canaria zu einem Ziel, bei dem man den Surfsport problemlos mit anderen Outdoor-Aktivitäten verknüpfen kann.

    Die soziale Komponente eines Camps darf nicht unterschätzt werden. Man teilt nicht nur die Wellen, sondern oft auch die Unterkunft und die Mahlzeiten. Dies schafft eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die aus allen Teilen Europas anreisen. In den Gemeinschaftsbereichen der Camps entstehen oft Freundschaften, die weit über den Urlaub hinaus Bestand haben. Das gemeinsame Erleben von Erfolgen und das kollektive Verarbeiten von Waschgängen in der Brandung schweißen zusammen.

    Logistik und Vorbereitung

    Die Anreise nach Gran Canaria ist dank zahlreicher Direktverbindungen aus Mitteleuropa unkompliziert. Der Flughafen Gando liegt strategisch günstig zwischen dem Süden und der Hauptstadt im Norden. Viele Camps bieten Abholservices an, was den Start in den Urlaub stressfrei gestaltet. Wer jedoch die Insel auf eigene Faust erkunden möchte, kommt um einen Mietwagen kaum herum. Die Preise für Leihwagen sind auf den Kanaren vergleichsweise günstig, und die Straßenführung ist gut ausgebaut, wenn auch in den Bergen kurvenreich und steil.

    In Sachen Ausrüstung ist man in einem Camp bestens versorgt. Die Boards werden je nach Lernfortschritt und Tagesbedingungen gewechselt. Wer dennoch sein eigenes Brett mitbringen möchte, sollte dies vorab mit der Fluggesellschaft klären, da die Gebühren für Sportgepäck stark variieren. Für den Alltag im Camp reicht leichte Sommerkleidung, für die Abende und die Ausflüge in die Berge sollte jedoch ein Pullover oder eine Windjacke im Gepäck nicht fehlen, da es nach Sonnenuntergang oder in der Höhe spürbar abkühlen kann.

    Ein oft unterschätzter Punkt ist der Sonnenschutz. Die Strahlung auf den Kanaren ist aufgrund der Nähe zum Äquator auch bei Bewölkung intensiv. Spezielle Zink-Sonnencremes fürs Gesicht und Lycra-Shirts schützen vor Verbrennungen während der oft mehrstündigen Sessions im Wasser. Wer körperlich vorbereitet in das Camp startet – etwa durch Schwimmen oder spezifisches Krafttraining für die Arme –, wird in der ersten Woche deutlich mehr Spaß haben und weniger mit Muskelkater zu kämpfen haben.

    Häufig gestellte Fragen

    Ist Gran Canaria für absolute Surfanfänger geeignet?

    Ja, die Insel bietet insbesondere am Strand La Cícer in Las Palmas ideale Bedingungen für Einsteiger. Der sandige Untergrund und die kontrollierten Wellenbereiche ermöglichen einen sicheren Start. Die meisten Camps haben spezielle Programme, die exakt auf die Bedürfnisse von Anfängern zugeschnitten sind.

    Welchen Neoprenanzug brauche ich auf Gran Canaria?

    Das hängt von der Jahreszeit ab. Im Sommer und frühen Herbst reicht oft ein 2mm Shorty oder ein dünner 3/2mm Fullsuit. Im Winter (Januar bis März) sinken die Wassertemperaturen auf etwa 18 Grad, weshalb ein hochwertiger 3/2mm oder sogar ein 4/3mm Anzug empfohlen wird, um auch bei längeren Sessions nicht auszukühlen.

    Brauche ich ein Auto, wenn ich in einem Surfcamp in Las Palmas wohne?

    Nicht zwingend. In Las Palmas ist alles fußläufig erreichbar: der Strand, die Surfschulen, Supermärkte und Restaurants. Das öffentliche Bussystem (Guaguas) ist zudem hervorragend ausgebaut. Ein Mietwagen ist nur dann sinnvoll, wenn man die entlegenen Spots im Norden oder das Bergland im Zentrum individuell erkunden möchte.

    Wie sicher ist das Surfen auf Gran Canaria in Bezug auf Strömungen?

    Wie überall am Atlantik gibt es auch hier Strömungen. Die Surflehrer in den Camps sind jedoch darauf geschult, die Bedingungen täglich neu zu bewerten und die Schüler in sicheren Zonen zu unterrichten. Wer sich an die Anweisungen hält und die lokalen Flaggenwarnungen beachtet, minimiert die Risiken erheblich.

    Gibt es in den Surfcamps eine Altersbeschränkung?

    Die meisten Camps richten sich an Erwachsene, wobei der Altersdurchschnitt oft zwischen 20 und 40 Jahren liegt. Es gibt jedoch auch spezialisierte Familien-Camps oder Jugend-Camps während der Ferienzeiten. Grundsätzlich ist die Surfszene auf Gran Canaria sehr inklusiv und offen für alle Altersgruppen, solange eine gewisse Grundfitness vorhanden ist.

    Kann man auf Gran Canaria auch andere Surf-Disziplinen ausüben?

    Absolut. Gran Canaria ist ein Mekka für Windsurfer (besonders Pozo Izquierdo) und Kitesurfer. Auch Bodyboarding hat auf der Insel einen extrem hohen Stellenwert, insbesondere an den kraftvollen Riffen im Norden. Viele Surfcamps bieten Kontakte zu Schulen für diese Disziplinen an, falls man während seines Aufenthalts etwas Neues ausprobieren möchte.

    Die Entscheidung für ein Surfcamp auf Gran Canaria ist letztlich eine Entscheidung für Beständigkeit und Qualität. Die Insel liefert die Infrastruktur und die Naturereignisse, während die Camps den Rahmen bieten, um sicher und mit maximalem Fortschritt in die Wellen zu finden. Wer die Energie des Atlantiks sucht und gleichzeitig das urbane spanische Leben schätzt, wird hier Bedingungen vorfinden, die in Europa nur selten in dieser Dichte anzutreffen sind. Es ist die Kombination aus technischem Training, gemeinschaftlichem Erleben und der rauen Schönheit der kanarischen Küste, die den Reiz dieser Reiseform ausmacht. Ob man die erste Welle seines Lebens steht oder an der Präzision seiner Turns arbeitet – der Ozean vor Gran Canaria bietet die passende Bühne dafür.